Leben mit Kindern
Geborgene Babys. Julia Dibbern
Preis: EUR 16,50
Broschiert - ? Seiten - Anahita Verlag
Erscheinungsdatum: 2004
ISBN: 3-937797-00-9
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Kurzbeschreibung:
BONDING, die Urbindung des Kindes zu seiner Mutter (und seinem Vater), ist entscheidend für alle weiteren Bindungen, die ein Mensch im Laufe seines Lebens eingeht. Wenn ein Kind sicher an seine Mutter gebunden ist, wird es später auch eine tiefe Bindung zu "Mutter Erde" und unseren Mitgeschöpfen eingehen können und sich im Erwachsenenalter wirklicher Bindungsfähigkeit zu einem Partner erfreuen. Dieses Buch zeigt anhand vieler Beispiele aus dem Alltag einen Weg auf, diese tiefe Bindung in der Welt des beginnenden 21. Jahrhunderts zu (er)leben - und gleichzeitig das Leben dadurch für die ganze Familie wunderbar leicht zu gestalten.
Rezensionen:
"Geborgene Babys" gehört für mich zu den Büchern, die man eigentlich gelesen haben sollte, wenn man sich kritisch mit den heute üblichen Umgangsweisen mit Kindern auseinandersetzen möchte. Die Autorin hat bewusst darauf verzichtet einen "Ratgeber" zu schreiben, sondern ihre eigenen Erfahrungen (und die anderer Mütter) geschildert. Damit bleibt es jedem selbst überlassen, daraus etwas zu machen, sich zumindest mit einigen Dingen kritisch auseinanderzusetzen.
Ich für meinen Teil finde beispielsweise ihre Ansicht bezüglich Windeln sehr einleuchtend und habe mir sofort das Buch TopfFit bestellt und verschlungen.
Dass Kinder zuviel Nähe bekommen können bzw. sich dagegen wehren oder wir Mütter, die "nach Bedarf" stillen, die Signale des Babys auch - aus Gewohnheit? - falsch verstehen könnten, war mir nicht bewusst. Das Fallbeispiel "weinende Haut - Silas" fand ich sehr dramatisch. Auch dass die betreffende Mutter immer die üblich stereotypen Kommentare - je nachdem aus welcher Ecke - bekommen hat, hat ja nicht wirklich zu einer Lösung beigetragen. Sehr eindrücklich fand ich den Mut, dass die Mutter den "neuen" Weg, nämlich drastische Änderungen der Stillabstände, Ausquartieren in den Babybalkon, eingeschlagen und damit einen durchschlagenden Erfolg erzielt hat.
Das hat mir gezeigt, dass man die Einzelsituation doch sehr genau beleuchten muss und vor allem habe ich das in meinem / unserem Fall auch erfolgreich angewandt.
Mein Sohn hatte seltsamerweise auch auf der "offenen" Seite (wir stillen nur noch rechts und damit liegt er auch auf der linken Wange), rechts einen Hautausschlag entwickelt.
Nachts so gegen 3 hat er zeitweise Marathonstillen praktiziert. nachdem ich nun nicht sofort die Brust gebe, sondern genau höre, was ist, hat sich für uns herausgestellt, dass er mal "muss" und dieses kommentiert. Danach schläft er ohne Stillen friedlich wieder ein, was ich vorher verhindert habe. Auch ist sein Hautausschlag nahezu völlig verschwunden.
Kinder haben das Geburtsrecht, dass die elementaren Bedürfnisse, mit denen sie zur Welt kommen, geachtet werden. Sie zeigen uns sehr genau, was sie brauchen. Man muss nur lernen, ihnen zuzuhören.
So steht es in einem Abschnitt auf der Rückseite des Buches. Und das hat mich auch neugierig auf das Buch gemacht.
Bei dem Buch Geborgene Babys handelt es sich überwiegend um die Erfahrungen, die Julia Dibbern mit ihrem Sohn von der Schwangerschaft über die Geburt bis ins Kleinkindalter gemacht hat. Aber auch andere Mütter (und Väter) kommen zu Wort, sei es durch Geburts- oder Stillberichte. Medizinische Fakten werden eher wenig genannt.
Julia Dibbern schildert in diesem Buch ihre "Reise" mit ihrem Sohn, wie sie es nennt. Sie erzählt, dass sie zuerst auch sehr "mainstreammäßig" eingestellt gewesen sei: Babys gehören in den Kinderwagen, Babys stillt man vier, vielleicht sechs Monate danach gibt es dann die Flasche und Breichen/Gläschen, Babys/Kinder müssen in ihrem eigenen Bett schlafen bzw. auch in ihrem eigenen Zimmer, Babys brauchen Windeln...
Während ihrer Schwangerschaft informierte sie sich viel im Internet und stieß dann auf die "andere Art der Erziehung". Und sie schrieb später das Buch, damit andere (werdende) Eltern alles in einem Buch finden, sich so besser informieren und für sich entscheiden können, ob sie auch diesen Weg gehen wollen.
Ich stimme der Autorin in vielen Dingen zu, gerade, was das Stillen, Tragen, Familienbett, "TopfFit" (windelfrei) und auch Weinen betrifft. Was brauche ich z. B. Folgemilch 2 oder "Breichen x", wenn ich nach dem 4. oder 6. Lebensmonat meines Babys weiter stillen kann? Was brauche ich einen Kinderwagen oder eine Babywippe, wenn sich mein Baby doch an meinem Körper am wohlsten fühlt? Wofür muss ich immer Windeln kaufen, wenn es doch auch ohne geht (und sich mein Baby ohne Windeln sichtlich wohler fühlt)? Weshalb soll sich mein Baby allein und verlassen fühlen und sich in den Schlaf weinen - vielleicht neben einem toten brummenden Muttergeräusche imitierenden Plüschbären, wenn es an meiner Brust binnen Minuten zufrieden einschläft, wenn es müde ist?
Die Autorin schreibt selbst, dass viele andere Leute und auch Familien, die ähnliche Ansichten über die Erziehung und das Ins- Leben-Begleiten von Kindern haben, die "Dibbernsche Weise" für sehr radikal halten. Sie betont auch, dass sie niemanden ihre Lebensart aufdrängen, sondern dass sie nur informieren, zum Weiternachdenken und Überlegen und eine weitere Möglichkeit zur Wahl stellen möchte. Denn wer nicht weiß, dass es auch anders geht, kann ja für sich selbst gar nicht entscheiden, ob das "Andere" für ihn vielleicht gut ist.
Mir persönlich hat dieses Buch sehr gut gefallen, auch wenn ich, wie gesagt, nicht immer der gleichen Meinung wie die der Autorin bin. Das Buch ist recht emotional und aus dem Bauch heraus geschrieben worden, was aber eine für mich angenehme, persönliche Ebene aufbaut. Ein Übriges dazu tut das Du als gewählte Anrede.
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