Leben mit Kindern

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Preis: EUR 9,90
Broschiert - 218 Seiten - C.H.Beck
Erscheinungsdatum: August 1999
ISBN: 340645724X

Klappentext:

Im Dschungel Venezuelas trifft eine junge Amerikanerin auf die Yequana-Indianer. Fasziniert vom offenkundigen Glück dieser "Wilden", bleibt sie insgesamt zweieinhalb Jahre bei dem Stamm und versucht, die Ursachen dieses glücklichen und harmonischen Zusammenlebens herauszufinden. Sie entdeckt dessen Wurzeln im Umgang dieser Menschen mit ihren Kindern und zeigt, wie dort noch ein bei uns längst versüttetes Wissen um die ursprünglichen Bedürfnisse von Kleinkindern existiert, das wir erst neu zu entdecken haben.

Rezensionen:

Ich möchte meine Ausführungen zu dem Buch Auf der Suche nach den verlorenen Glück von Jean Liedloff mit folgendem Zitat aus einem Brief an die Autorin beginnen:

Ich glaube, Ihr Buch gehört zu den grausamsten Dingen, die ich je gelesen habe. Es ist einfach so, dass mich das Buch aufs tiefste beeindruckt, tief verletzt, außerordentlich gefesselt hat. Gott möge ihnen vergeben für Ihre Beschreibung, was Babys alles zu erdulden haben, dass ich vierundzwanzig Stunden lang nachdem Lesen Ihres Buches - ganz zu schweigen von der Zeit während des Lesens - so deprimiert war, dass ich mich am liebsten erschossen hätte.

Diese Worte stammen von einer Frau deren vierköpfige Familie fast erwachsen war und sind im letzten Kapitel Berichte und Überlegungen zur Neuauflage abgedruckt. Sie las das Buch noch einmal und schöpfte dann aus dem Gelesenen Kraft, sich den neuen Erkenntnissen zu stellen.

Auf der Suche nach den verlorenen Glück ist eines der wenigen Bücher, die man meiner Meinung nach nicht unvorbereitet lesen sollte. - Es sei denn vor oder während der ersten Schwangerschaft. Frauen, die bereits ein oder mehrere Kinder haben, sollten sich vielleicht erst etwas mit dem CC beschäftigen und dann nach einiger Zeit das Buch lesen.

Warum?

Das Buch macht ein schlechtes Gewissen. Es stellt die in der westlichen Welt üblichen Praktiken, mit Babys und Kleinkindern umzugehen, an den Pranger. Dabei bedient sich Frau Liedloff einer sehr farbigen und direkten Sprache: [...]und es erwacht wieder in der Hölle. Mit Hölle ist z.B. das Kinderbettchen gemeint. Wie fühlt sich eine Mutter wohl, die solches liest und ihr Kind besten Wissens und Gewissens jede Nacht in sein Bettchen gelegt hat? Schuldig.

Ferner geht Frau Liedloff mit ihrer Theorie sehr weit. Sie erklärt z.B. auch Homosexualität mit dem Nicht-Getragen-werden als Baby. Solche und andere Erklärungen erscheinen im Lichte ihrer Theorie durchaus logisch und nachvollziehbar. Wie es Theorien aber oft zu Eigen ist, ist diese Sichtweise meiner Ansicht nach zu einseitig. Dadurch wirken viele ihrer Schlussfolgerungen unglaubwürdig.

Ich persönlich finde es besonders problematisch, dass die Autorin selber keine Kinder hat. Es liest sich geradezu rührend, wie sie von ihren Erfahrungen mit dem 2 Monate alten Affenbaby berichtet, mit dem sie das Bett geteilt hat.

Die Grundlage für Jean Liedloffs Continuum Concept ist der ständige Körperkontakt des Säuglings mit einem Menschen. Sie verliert dabei allerdings etwas aus den Augen, dass dies in der westlichen Welt gewöhnlich allein die Mutter ist. - Den ganzen Tag, während sie mit dem Kind alleine ist. Die Urwaldindianer leben dagegen in Verbänden, in denen immer irgendjemand das Kind tragen und somit die Mutter entlasten kann. Wie fühlt sich eine Mutter wohl, die versucht, das Concept umzusetzen und an der Last des Kindes zu scheitern droht? Nicht jede Frau kann mit einem Kind am Körper die Betten machen. Von einer Frau, die ihre Hausarbeit nie mit einem Kind am Körper gemacht hat, ist diese Forderung nahezu vermessen.

Und genau dies ist (mein) Problem mit diesem Buch. Es zeigt zu wenige konkrete Umsetzungsmöglichkeiten für das tägliche Leben in der westlichen Welt auf.

Warum ist dieses Buch dann trotzdem so wertvoll und hat auch im 21. Jahrhundert nichts an seiner Aktualität verloren?

Weil es den Grundstein zu einer wundervollen und wichtigen Bewegung gesetzt hat. Weil die Beschreibungen, die Frau Liedloff von den Indianern liefert ungeheuer wertvoll und durch nichts zu ersetzen sind.

Diese Beschreibungen rühren etwas im tiefsten Inneren an und können bewirken, dass man sich auf sein Menschsein besinnt. Die Beschreibungen sind so intensiv und eingänglich, dass man sich problemlos im täglichen Leben fragen kann, wie die Indianer dies oder jenes wohl lösen würden und oft zu einer Antwort gelangen kann.

Es stößt die Rückbesinnung auf alte Werte an, die in unserer westlichen Welt verloren gegangen sind. Die Rückbesinnung darauf, dass ein Neugeborenes Körperkontakt, Wärme und seine natürliche Nahrung braucht, dass es uns mit seinem Schreien nicht ärgern will, sondern versucht, sich mitzuteilen.

Ich könnte diese Liste nun endlos fortsetzen, aber damit würde ich nur den Inhalt dieser Homepage wiederholen.

Das Buch selber gibt meiner Meinung nach wenige Antworten. Diese muss man selber für sich durch eine intensive Beschäftigung damit finden. Aber nicht nur mit dem Buch, sondern auch mit dem eigenen Instinkt muss man lernen, umzugehen. Hat man diesen erst wieder für sich (neu) entdeckt, wird die Suche nach dem verlorenen Glück zu einer Offenbarung.

Fazit

Es wäre ein Segen für die Menschheit, wenn sich alle (werdenden) Eltern zumindest mit den Grundlagen des CC beschäftigen würden. Das Schöne ist ja, dass es nicht zu 100% umgesetzt werden muss. Jeder noch so kleine Ansatz kann das Leben schon ungemein erleichtern und verschönern. Für die Eltern und das Kind.

Und daher ist dieses Buch, das die (theoretische) Grundlage bildet, so wichtig.

Ann



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