Essen
"Mein Kind will nicht essen!". Dr. Carlos González
Preis: EUR 13,90
Broschiert - 206 Seiten - La Leche Liga Deutschland e.V.
Erscheinungsdatum: 2002
ISBN: 3-932022-12-2
Klappentext:
"Mein Kind will nicht essen!" Diesen Satz bekommen Kinderärzte am häufigsten zu hören. Wenn ein Kind essen soll, dann scheint es oft notwendig zu sein, eine Menge Ablenkung und Unterhaltung zu bieten, damit das Kind nicht merkt, dass ihm zwischendurch etwas in den Mund geschoben wird.
Warum weigern sich Kinder, vor allem gestillte Kinder, feste Nahrung zu sich zu nehmen? Warum hören Kinder um ihren ersten Geburtstag herum auf zu essen, obwohl sie schon so schön gegessen haben? Warum schließen sie ihren Mund, spielen mit dem Essen oder spucken es aus?
In unzähligen Familien gibt es diesen täglichen Kampf beim Essen. Dr. Carlos González, spanischer Kinderarzt und Autor dieses Buches, beantwortet die Fragen von besorgten Eltern. Er nimmt dem Thema die Brisanz, stellt klare Verhaltensregeln auf und beruhigt Eltern, die unter Ängsten und Schuldgefühlen leiden, weil ihr Kind nicht isst. Er zeigt auf, wie das Gleichgewicht zwischen dem, was ein Kind tatsächlich braucht, und dem, was ein Kind nach Ansicht der Eltern essen sollte, hergestellt wird.
Dr. Carlos González ist der Meinung: Ein Kind darf niemals zum Essen gezwungen werden - und schon gar nicht mit Bestechung oder Bestrafung.
Ein Kind weiß ganz genau, was und wieviel es braucht, um satt zu werden und zu wachsen.
Rezensionen:
Auch wenn das Thema Beikost momentan für mich nicht aktuell ist, habe ich das Buch Mein Kind will nicht essen von Dr. Carlos González sehr gerne gelesen. Ich wollte es eh schon immer gelesen haben, da es schon sehr häufig lobend erwähnend wurde.
Auch wenn der Titel des Buches suggeriert, dass es vor allem für Mütter gedacht sei, die Probleme damit haben, dass ihr Kind nicht essen will, würde ich dieses Buch wirklich jeder Mutter empfehlen, die sich Gedanken zum Thema Beikost macht und zu diesem Thema mehr Informationen sucht.
Das Buch Mein Kind will nicht essen handelt zwar im ersten Teil vom dem Problem, dass ein Kind nicht isst (bzw. die Mutter glaubt, es esse nicht genügend), im zweiten Teil geht González aber allgemein auf das Thema Beikost ein, vergleicht die unterschiedlichen Empfehlungen aus Europa, USA und der WHO miteinander und stellt selber ein paar Regeln zur Einführung der Beikost auf, die ihm sinnvoll erscheinen und die ich auch so unterschreiben würde. Er gibt zwar keine Rezepte an und schreibt auch nicht, mit welchen Nahrungsmitteln und in welchen Mengen man anfangen soll, gibt aber ansonsten sehr viele wertvolle Hinweise zu dem Thema Beikosteinführung.
Ingesamt schärft González das Verständnis der Mütter für das Essverhalten ihres Kindes, sei es, dass es schon Probleme am Tisch gibt, oder die Beikosteinführung erst bevorsteht.
Der Grundtenor von González ist, dass man ein Kind niemals zum Essen zwingen sollte, dass Kinder sehr gut und sehr genau wissen, was und wieviel sie essen müssen und sich auch ausgewogen ernähren, solange ihnen nur gesunde Nahrungsmittel in ausreichender Auswahl angeboten werden.
Dazu schreibt González:
Die Verantwortung der Eltern beschränkt sich darauf, eine Auswahl gesunder Lebensmittel anzubieten. Die Verantwortung, von diesen Lebensmitteln zu wählen und die Menge zu bestimmen, die von jedem gegessen wird, haben nicht die Eltern, sondern das Kind.
Es gibt in diesem Buch sehr viele positive Aspekte und wirklich nichts, was ich kritisieren wollte. Deshalb will ich nur ein paar Aspekte herausgreifen, die mir besonders wichtig sind.
González hat eine sehr stillfreundliche Einstellung. Er schreibt viel Positives über das Stillen und auch das Langzeitstillen und empfielt die Beikosteinführung auch nur als Ergänzung zur Muttermilch und nicht als ihren Ersatz.
In diesem Themenbereich verdeutlicht er sehr schön, dass die Muttermilch sehr viel nahrhafter und vor allem auch kalorienreicher ist als die meisten Babybreis und gibt Mütter somit gute Argumente an die Hand, wenn sie mal wieder hören, das Kind bräuchte endlich mal etwas Nahrhaftes zu essen.
González gibt auch einen historischen Rückblich über die Empfehlungen zur Beikost vom Anfang des Jahrhunderts bis heute. Diesen Vergleich fand ich sehr, sehr aufschlussreich, zeigt er doch, dass früher viel eher die Befürchtung bestand, ein Kind könne zu viel Beikost erhalten, während heutzutage sich die Mütter eher Gedanken machen, dass ein Kind zu wenig isst. Auch die Art der empfohlenen Lebensmittel wich damals sehr von dem ab, was heutzutage empfohlen wird. Das hat mich auch sehr überrascht.
Sehr interessant fand ich auch González Schilderungen, wie sich der Fettgehalt der Muttermilch zwischen zwei Stillmahlzeiten verändert und dass man festgestellt hat, dass eine Brust normalerweise eiweißhaltigere Muttermilch produziert als die andere. Das Kind scheint also durch sein Trinkverhalten die Zusammensetzung der Muttermilch noch mehr beeinflussen können, als bisher gedacht.
Daher propagiert González das Stillen nach Bedarf, was er so definiert:
Der Säugling entscheidet, wann und wie lange er trinkt und ob er an beiden oder nur an einer Brust trinkt.
Dieses finde ich eine sehr schöne Definition, da gerade der letzte Teil wohl häufig nicht mitberücksichtigt wird.
González erwähnt auch, dass ein Kind nicht unbedingt pürierte Nahrung bekommen muss, sondern dass es ausreicht, wenn man weiche Lebensmittel mit der Gabel zerdrückt und dass man dem Kind dann schon einige Monate später, kleine Stückchen geben kann. Auch erwähnt er, dass es durchaus sinnvoll ist, das Kind schon früh selbständig essen zu lassen, da es sich sonst vielleicht ans Gefüttert-werden gewöhnen würde.
Da ich selber positive Erfahrungen damit gemacht habe, das Kind schon früh am Familientisch selbständig mitessen zu lassen, finde ich das sehr schön, dieses mal in einem Buch beschrieben zu finden.
Ich hätte es allerdings noch besser gefunden, wenn er auch das Fingerfood erwähnen würde, (also dem Kind überhaupt nichts Zerdrücktes mehr zu geben, sondern das Kind von Anfang an, handliche Stücke selber essen zu lassen), da ich denke, dass viele Mütter einfach nicht wissen, dass so etwas auch möglich ist. Auch wäre es schön gewesen, die Vorteile des Fingerfoods (wenn es denn welche gibt, wie z.B. Ersetzung der Nahrung durch die Enzyme im Speichel und nicht mechanisch) mal aus medizinscher Sicht beleuchtet zu bekommen.
Sehr gut gefallen hat mir auch seine Definition, warum der Mensch isst. Dazu schreibt er:
- Um sich am Leben zu erhalten
- Um sich zu bewegen
- Um zu wachsen
Diese Definition finde ich sehr, sehr passend. Das sollte man sich immer wieder vor Augen halten, erleichtert sie es doch ungemein, zu akzeptieren, dass kleine Babies so viel essen, weil sie halt so schnell wachsen, dass dieser Nahrungsbedarf aber nicht im gleichen Maße weiterwächst, da sich ja auch das Wachsen sehr verlangsamt. Auch kann man damit sehr gut akzeptieren, dass ein krankes Kind plötzlich keine Nahrung mehr zu brauchen scheint. Oder dass Kinder Phasen haben, in denen sie sehr, sehr viel essen können, während sie dann wiederum einige Zeit später gar nichts mehr zu essen scheinen.
Zudem macht González sehr schön deutlich, dass die Menge an Nahrung, die ein Mensch aufnimmt, individuell sehr unterschiedlich ist, aber dann trotzdem kein Grund zur Beunruhigung darstellt.
González betont immer wieder, wie schädlich es ist, ein Kind zum Essen zu zwingen. Dazu zählt er auch schon alle Überredungen, Bestechungen, Ablenkungen, etc.
Sehr eindrucksvoll fand ich wie er die verschiedenen Methoden beschreibt, die einem Kind zur Verfügung stehen, wenn es zum Essen gezwungen wird. Da wären:
- Schließen des Mundes und Wegdrehen des Kopfes.
- Nahrung zwar in den Mund nehmen und auch kauen, aber nicht schlucken.
- Erbrechen.
Es ist erschreckend zu erfahren, dass manche Mütter ihr Kind wohl wirklich so lange zum Essen zwingen, bis es nachher erbrechen muss. Sehr gut verdeutlich hat es die Geschichte am Ende des Buches "Die Ernährungspolizei".
Sehr schön erklärt González auch die Entstehung und die Verwendung der Gewichtskurven. Er legt da, dass diese Kurven für Flaschenkinder entwickelt wurde und Stillkinder häufig eine andere Gewichtszunahme haben. Ich denke, dass ist ein ganz wichtiger Punkt, der auch so manchem Kinderarzt mal näher gebracht werden sollte.
Insgesamt fand ich die Lektüre von Mein Kind will nicht essen als sehr bereichernd.
González hat einen sehr angenehmen, lockeren, aber auch einfühlsamen Schreibstil, der das Lesen sehr angenehm macht, aber trotzdem auch viele Informationen vermittelt. Es werden sehr viele verschiedene Aspekte rund um die Ernährung angesprochen, die so mancher Mutter hilfreich sein werden.
Dieses Buch sollte wirklich von jeder Mutter gelesen werden, bevor sie Beikost einführt, damit sie entspannter mit diesem Thema umgehen kann, mehr ihrem Kind vertrauen kann und ihr auch der Rücken gestärkt wird gegen Argumentatoren von außen, die ein baldiges Beifüttern für nötig erachten.
Ich denke, es wäre auch durchaus gut, wenn so mancher Kinderarzt oder Angestellte von Mütterberatungsstellen etc. dieses Buch lesen würden, damit sie mit dem Thema 'Zufüttern' und 'Beikosteinführung' sensibler umgehen würden. Da González ja selber Kinderarzt ist, werden auch einige Themen angesprochen, die für Fachpersonal durchaus überdenkenswert wären.
Dr. Carlos González, der Autor des Buches Mein Kind will nicht essen, ist Kinderarzt aus Barcelona. In den letzten zwölf Jahren hat er Vorträge bei zahlreichen Konferenzen gehalten. Er gründete ACPAM (eine katalanische Stillorganisation), organisiert Stillkurse für medizinisches Fachpersonal in ganz Spanien, übersetzte Veröffentlichungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ins spanische und ist Mitglied des medizinischen Beirates von LLL-International. Dr. González ist Vater von drei gestillten Kindern. 1999 hat Dr. González sein Buch "Mi nino no me come" veröffentlicht.
"Mein Kind isst nichts!"
Diesen Satz bekommen Kinderärzte am häufigsten zu hören. Wenn ein Kind
essen soll, dann scheint es oft notwendig zu sein, eine Menge Ablenkung und
Unterhaltung zu bieten, damit das Kind nicht bemerkt, dass ihm
zwischendurch etwas in den Mund geschoben wird.
In einem Vortrag bei der LLL in Nottingham erklärte Dr. González, dass er nun nicht ein Patentrezept liefern mag, mit dem erreicht wird, dass das Kind isst, sondern er will erklären, warum das Kind nicht isst. Zunächst einmal gibt es drei Gründe, warum ein Kind nicht isst: es gibt nichts zu essen, das Kind hat keinen Hunger oder das Kind ist krank. Der erste Grund ist in unserer Gesellschaft meist auszuschließen. Ein gesundes Kind isst in der Regel wenn es hungrig ist, allerdings nicht immer das, was die Mutter möchte und schon gar nicht so viel wie es nach den Vorstellungen der Mutter essen müsste. Verwunderlich ist dabei, dass die Kinder noch nicht verhungert sind, obwohl sie laut Aussage der Mütter "nichts" essen.
Gestillte Babys lehnen oft feste Nahrung über einen langen Zeitraum ab, nicht selten bis zum Alter von acht Monaten oder gar einem Jahr. Die Mutter verzweifelt und das Kind leidet, weil ständig versucht wird, es zum Essen zu überreden oder gar zu zwingen.
Warum weigern sich Kinder, vor allem gestillte Kinder, feste Nahrung zu sich zu nehmen? Warum hören Kinder um ihren ersten Geburtstag herum auf zu essen, obwohl sie schon so schön gegessen haben? Warum schließen sie ihren Mund, spielen mit dem Essen oder spucken es aus?
Dr. González vergleicht, wie sich die Empfehlungen, wann das Baby feste Nahrung erhalten beziehungsweise wie lange es ausschließlich gestillt werden sollte, im Verlaufe der letzten 100 Jahre verändert haben. Dann hat er das "Phänomen" der nicht essenden Kinder sowie die Sorge der Mütter, dass Ihre Kinder nicht essen, anhand der diesbezüglich in Kinderpflegebüchern auftretenden Ratschläge beleuchtet und einen erstaunlichen (oder vielleicht doch nicht erstaunlichen) Zusammenhang gefunden: Anfang des 20. Jahrhunderts wurde in spanischen Büchern zur Säuglingspflege eine Zeit von zwölf Monaten mit ausschließlicher Muttermilchernährung empfohlen. Gleichzeitig findet sich nirgends ein Hinweis in diesen Büchern, wie mit einem Kind zu verfahren sei, das nicht essen will. Je weiter das Jahrhundert fortschreitet, um so jünger sollen die Kinder laut den Empfehlungen der diesbezüglichen Bücher sein und: um so mehr Ratschläge gibt es, was mit einem Kind zu tun sei, das nicht essen will. Wird zu Beginn der dreißiger Jahre noch nur ganz kurz auf dieses Thema eingegangen, so sind 30 Jahre später schon seitenweise Abhandlungen zu finden, was mit einem die Beikost (im Alter von drei bis sechs Monaten) verweigernden Kind zu tun sei und die Seitenzahlen zu diesem Thema werden von Jahr zu Jahr mehr.
Wie viel Nahrung braucht ein Kind? Der Nahrungsbedarf eines Kindes hängt ab von seiner Körpergröße, seiner Aktivität und vom Wachstum des Kindes. Allerdings ist es nicht so, dass das Kind wächst, wenn es isst, sondern umgekehrt, das Kind isst, wenn es wächst. Der Nahrungsbedarf des Kindes lässt sich daher nicht pauschal bestimmen. Am ehesten gelingt dies, wenn das Kind sich in einer Wachstumsphase befindet, dann lässt sich eine Relation zwischen Gewicht des Kindes und erforderlicher Nahrungsmenge herstellen. In seinem Buch macht Dr. González das durch interessante Vergleiche verständlich.
Ein Vergleich der Kaloriendichte in Babynahrung und Muttermilch ergibt, dass Babys Nahrungsmittel mit einer größeren Kaloriendichte bevorzugen und Muttermilch liefert mehr Kalorien als Gemüse und die meisten Nahrungsmittel, aus denen Mahlzeiten für Babys hergestellt werden. Um die gleiche Menge an Kalorien, wie sie in 100 ml Muttermilch enthalten sind, durch den Verzehr von Karotten aufzunehmen, müsste das Kind fast 400 g gekochte Karotten essen! Daraus lässt sich ein Zusammenhang zwischen Unterernährung und Nicht-Stillen erklären: da der Magen des Babys klein ist, benötigt es hochkalorische Kost. Gemüse kann nicht in so großen Mengen gegessen werden, wie es notwendig wäre, um das Kind mit genügend Kalorien zu versorgen.
Laut den Ausführungen des Autors, weiß ein Kind ganz genau, was und wann es essen muss und wie viel es braucht, um satt zu werden und zu wachsen.
Dr. Carlos González ist der Meinung: Ein Kind darf niemals zum Essen gezwungen werden - und schon gar nicht mit Bestechung oder Bestrafung.
Dieses Buch ist zwar ein Fachbuch aber so leicht und locker geschrieben, wie ein Roman. Es macht Spaß es zu lesen, der Autor selbst scheint recht humorvoll zu sein!
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