„Messer, Schere, Feuer, Licht, ist für Kinderhände nicht!“ - Oder doch?
Diesen Spruch habe ich jahrelang von meinen heiß
geliebten Großeltern
gehört, er gehörte quasi zum Standard-Repetoir in meiner Kindheit. Noch heute
auf dem Spielplatz höre ich von anderen Eltern solches und ähnliches andauernd:
Sarah, lass das, du fällst sonst herunter!
, Justin, kommt da weg,
du tust dir weh!
, Melanie, das kannst du nicht!
. Ich muss ehrlich
gestehen, ein solcher Umgang mit Kindern regt mich regelrecht auf. Sarah, Justin und
Melanie sind nämlich nicht so doof, wie man ihnen glauben macht. Ich bin überzeugt,
sie fallen nicht herunter, tun sich nicht an jeder Kante weh und können viel mehr,
als ihre Eltern glauben.
Aus dem Gedankengang heraus, dass Kinder sehr wohl ihre eigenen Grenzen kennen und Gefahren abschätzen können, lasse ich meine Kinder in fast allen Lebenslagen gewähren. Ich gebe ihnen bewusst Scheren, Messer und andere Gegenstände in die Hand, mit denen sie umzugehen lernen dürfen. Haben sie nie die Möglichkeit, diese Gegenstände auszutesten, können sie nicht ihre Gefährlichkeit zu erfahren und einschätzen lernen. Indem man sie davor schützt, solche Dinge in die Hand zu nehmen, nimmt man ihnen die Kompetenz zu lernen. Und erst dann sind es gefährliche Gegenstände.
Mein dreijähriger Sohn geht mir in der Küche richtig gut zur Hand, und er hat
sich noch nie mit einem scharfen Messer geschnitten. Auch mein kleiner Sohn, 13 Monate alt,
darf in der Küche mit Messern hantieren. Er hat sich ebenfalls noch nie verletzt oder
weh getan. Ein Wunder? Nur Glück gehabt? Nein, ich denke nicht. Sie erfahren selber,
wie sie damit umgehen können und sind kompetent in ihrem Tun.
Auf dem Spielplatz klettern meine beiden Söhne auf den höchsten Geräten herum.
Solange sie selber hinaufklettern, sind sie sich sicher. Unsere Wendeltreppe in der Wohnung
ist nicht abgesperrt, beide Jungs sind in jeden Alter sicher darauf herum geturnt. Keiner ist
je gefallen, und das, obschon die Treppe steil und eng ist.
Wenn man einem Kind immer wieder sagt, es sei unfähig etwas zu tun, wird es unfähig werden. Alice Miller und Jean Liedloff schreiben, Kinder seien von Anfang an kooperativ und versuchen, es ihren Eltern recht zu machen. Sagt man einem Kind, es sei ein Strösel, ungeschickt und linkisch, ist das direkt ein Anspruch an das Kind. Das Kind versucht, diesem Anspruch gerecht zu werden. Das ist zwar ein unbewusster Prozess, im Kopf will das Kind geschickt und selbstbewusst sein, aber es wird trotzdem genau so, wie es seine Eltern prophezeit haben: Linkisch und baselig.
Haben Sie schon einmal ein Kind wach gedacht? Kennen sie das? Die Diele knirscht, man
denkt sich Oh, nun ist es gleich wach!
und es ist auch wirklich wach. Haben Sie
auch schon einmal versucht, den Spieß umzudrehen? Die Diele knarrt, Sie denken
Das Kind wird schön weiter schlafen
, und es schläft weiter. Gedanken
sind Energie. Mit positiven Gedanken kann man sein Kind positiv beeinflussen, genauso wie
man es negativ beeinflussen kann. Ich versichere Ihnen, dies ist kein esoterisches Gerede,
probieren Sie es einfach einmal aus!
Ich möchte in diesem Text zwei mir sehr wichtige Dinge ansprechen: Zum einen traut man Kindern notorisch zu wenig zu. Kinder sind viel geschickter, als man glaubt. Läßt man sie gewähren, lernen sie schnell und sind kompetent in der Situation, auch in einer gefährlichen Situation, was für uns Eltern sowie für unsere Kinder nur von Vorteil ist. Kinder können sich auf Bedarf Hilfe holen, schaffen aber ganz viel alleine. Zum andern kann man ein Kind negativ beeinflussen, wenn man ihm ständig negativ formulierte Anweisungen und Warnungen zukommen läßt. Man impliziert damit, dass ein Kind es nicht schafft, ungeschickt und unfähig ist.
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